Dienstag, 15. April 2014

Abschlussarbeit - Produktionsplanung mittels Genetischer Algorithmen

Mehr und zunehmend komplexere Produkte in weniger Zeit herstellen. Das ist eine der aktuellen Herausforderung für Produktionsunternehmen in der globalisierten Welt. Das Themenfeld der Produktionsplanung beschäftigt sich mit der computergestützten Planung der herzustellenden Produkte und der dafür erforderlichen Ressourcen. Getroffene Planungsentscheidungen der Planung haben einen großen Einfluss auf die Produktion. Zum Beispiel kann ein zu früh fertig gestelltes Endprodukt durch die Lagerung bis zum Auslieferungsdatum dazu führen, dass die Lagerhaltungskosten steigen. Andererseits kann ein zu spät fertiggestelltes Produkt zu einer schlechten Reputation führen. Um hier wirtschaftliche Entscheidungen treffen zu können, müssen die Fragen „Was soll produziert werden?“, „Wo soll produziert werden?“ und „Wie soll produziert werden?“ beantwortet werden. Diese Aufgabe ist nicht trivial und wird umso komplexer, wenn zugleich auch die Reihenfolgeplanung der Produktionsaufträge auf mehr als einer Ressource mit Kapazitätsbeschränkungen durchgeführt werden soll. Hierzu werden heute Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme (PPS-System) eingesetzt, die die einzelnen Planungsschritte der Produktionsplanung sukzessive ausführen. Der resultierende Produktionsplan ist regelmäßig nicht realisierbar.

Um diese Probleme zu vermeiden wird eine simultane Planung der einzelnen Planungsschritte angestrebt, um so einen realisierbaren und kostengünstigen Produktionsplan zu erhalten.  Exakte, mathematische Verfahren sind heute nur in einem begrenzten Umfang anwendbar, da sie theoretisch zwar einen gültigen Produktionsplan erstellen könnten, in der Praxis aber an der Berechenbarkeit der Probleme scheitern. Aus diesem Grund konzentriert sich die Forschung auf die Entwicklung von heuristischen Verfahren, mit denen es möglich ist, den Lösungsraum der Problemstellungen zu begrenzen, so dass zumindest gute Lösungen mit einem akzeptablen Zeitaufwand generiert werden können. Im Rahmen dieser Arbeit soll mit Hilfe der simulationsgestützten Optimierung ein Konzept und eine Implementierung entwickelt werden, mit der es ermöglicht wird ein mehrstufiges dynamisches Mehrprodukt-Losgrößenmodell mit Kapazitätsrestriktionen (MLCLSP) in adäquater Zeit zu lösen.


Die einzelnen Planungsregeln sollen dabei mit Methoden der Evolutionären Berechnung automatisch generiert bzw. optimiert werden. Dabei werden Populationen von zufällig initialisierten Planungsregeln schrittweise verändert, bewertet und selektiert. Genauer sollen dabei wahlweise Methoden der Genetischen Programmierung oder Genetische Algorithmen angewendet werden. Bei der Genetischen Programmierung wird die Heuristik direkt als Baumstruktur codiert (vgl. Compilerbau) und mittels Mutation und Rekombination verändert. Als Fitnessfunktion dient die Simulation, die zu gegebenen Regeln z.B. den Zeitaufwand ermittelt und so die Qualität der Heuristik bestimmt. Bei der Anwendung von Genetischen Algorithmen sind die Regeln nicht direkt menschen-lesbar repräsentiert, sondern z.B. als künstliche neuronale Netze codiert. Das neuronale Netz wird dabei eher als Blackbox angesehen, es verarbeitet Eingaben (bspw. Reihenfolgeregeln) intern und gibt entsprechende Ausgaben (Planungsregel, Prioritätsregel). Mutiert und rekombiniert werden hier die Gewichte der Kanten zwischen den einzelnen Neuronen des Netzes. Die Bewertung momentaner Lösungskandidaten erfolgt wiederum per Simulation.

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